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Stadt Ruhr: Gründung der größten Stadt Deutschlands

Das Ruhrgebiet ist einmalig in ganz Deutschland, ja sogar in ganz Europa. Nirgends sonst liegen so viele Großstädte so nahe beisammen, wie hier. Entstanden ist der Ballungsraum am Anfang des 19. Jahrhunderts auf eher mäßig besiedeltem Gebiet, weil die dort reichen Kohle- und Erzbestände im Zuge der Industrialisierung von mehr und mehr Arbeiterhänden gefördert werden mussten. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wuchs der „Ruhrkohlenbezirk“ zum größten industriellen Ballungszentrum Europas heran. Seit der Kohlekrise 1958 vollzog sich jedoch ein Strukturwandel im „Pott“, der der Metropole nach Schließung fast sämtlicher Zechen und der einhergehenden Arbeitslosigkeit neue wirtschaftliche Zweige eröffnete. Ein Prozess, noch immer nicht abgeschlossen ist.

In all der Zeit haben die Bewohner vom „Ruhrpott“ eine eigene Mentalität und ein ganz besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt. Niemand ist einfach nur Bürger der Stadt Dortmund oder Bochum, viele sehen sich zugleich auch als Ruhrgebietler.

Stadt Ruhr Logo

Stadt Ruhr Logo

Dass sich aus dieser Verschmelzung verschiedener Städte nicht nur kulturell, sondern auch ganz offiziell in politischer Hinsicht eine Weiterentwicklung leiten lässt, das dachten sich auch die circa 500 Menschen, die am 5. November in der Gelsenkirchener MiR symbolisch eine neue Stadt gegründet haben: Die Stadt Ruhr. In diesem Akt wird erklärt, dass das Ruhrgebiet nicht länger nur eine Ansammlung mehrerer Großstädte sein soll, die nebeneinander liegen, sondern dass diese sich zu einer einzigen Mega-Stadt zusammenziehen lassen (siehe WDR Radiosendung).

„Die Stadt der Städte“, so hieß es seitens der bürgerschaflichen Initiative „StadtRuhr“, wolle „nicht länger auf Initiativen von oben“ warten, da sich die über 5 Millionen Menschen, die im Ruhrgebiet leben, „nicht länger übersehen lassen“. Ziel ist also die Gründung der größten Stadt Deutschlands und einer der größten Städte der Welt, mit derzeit 5,3 Millionen Einwohnern. Hervorgehen soll sie aus den Städten Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herne, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen sowie aus den Kreisen Recklinghausen, Unna, Wesel und dem Ennepe-Ruhr-Kreis.

Ruhrgebiet

Ruhrgebiet

Was sich nach einer leichten Traumwolke anhört, hat in Wahrheit schweres politisches Gewicht. Unter den Erstunterzeichnern der Stadtgründung waren neben RUB-Rektor Elmar Weiler, Mediziner Dietrich Grönemeyer und RVR-Direktor Heinz-Dieter Klink unter anderem auch Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski und Bundestagspräsident Norbert Lammert, welcher sich schon seit Jahren für die Umsetzung eines solchen Projektes einsetzt.

Was aber sind die Hauptargumente, die für die Gründung von Deutschlands größter Stadt sprechen? Zum einen soll das bestehende Gemeinschaftsgefühl der Ruhr-Bürger noch tiefer gehen; zum anderen soll die Stadt Ruhr eine der ersten Adressen Europas werden. Obwohl die Stadt im Gegensatz zu anderen Millionenstädten polyzentrisch bleiben soll, würde die Region erst als Stadt nach außen hin, vor allem im Ausland, als potenzreicher Wirtschaftsstandort wahrgenommen werden. Das wiederum würde neue Arbeitsplätze im Strukturwandel schaffen. Als schon gewählte Kulturhauptstadt Europas 2010 wird die Chance gesehen, diesem Titel als „größte Gartenstadt der Welt“ dauerhaft gerecht zu werden. Stadt Ruhr als Touristenmagnet und Kulturzentrum also. Dazu müsse die Region sich aber selbst verwalten können, heißt es.

Gegenstimmen sagen allerdings, dass das genannte Gemeinschaftsgefühl gar nicht so weit ginge und dass das Ruhrgebiet sich nur selbst schaden würde, wenn es sich von seinem Umland abkapseln würde, da viele kulturelle Einrichtungen von den Landschaftsverbänden finanziert würden. Besonders heiß scheint die Diskussion um die Frage „Wie soll das alles denn finanziert werden?“ zu sein. Das Geld, das für die Umstrukturierung nötig sei, könne man auch in „sinnvollere“ Aufgaben investieren.

Ob die Gründung der Stadt Ruhr, der größten Stadt Deutschlands, sinnvoll ist, oder nicht, mag der Leser selbst entscheiden. Wer sich aber schon jetzt als Ruhr-Bürger fühlt, der kann das hier erklären.

MC

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Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte

Was wäre passiert, wenn Nazi-Deutschland den 2. Weltkrieg gewonnen hätte? Es gibt wohl keine kontrafaktsiche Geschichtsfrage, die für düsterere Fantasien sorgt, als diese. Unzählige Spekulationen gehen in völlig unterschiedliche Richtungen. Liest man sich durch entsprechende Internetforen (ein paar Beispiele), findet man unterschiedliche Meinungen, die sich aber allesamt in einem Punkt überschneiden: Wir würden heute in einer absoluten Dystopie leben, zumindest diejenigen von uns, die aufgrund ihrer „arischen“ Gene überhaupt leben dürften.

Da die Frage nach dem Konjunktiv aber nie eine Antwort finden kann, weil niemand die nie eingetretene Geschichte rekonstruieren kann, wie auch niemand dazu in der Lage ist, die noch nicht eingetretene Zukunft empirisch belegt vorherzusagen, ist wohl auch der Historiker dazu gezwungen, sie offen zu lassen.

Nicht offen muss man aber die Frage nach den Zukunftsvorstellungen für die „neue Ordnung“ der Nationalsozialisten lassen. Welchen Verlauf der Geschichte diese sich nämlich wenigstens gewünscht haben, das lässt sich nachprüfen. Unter dem Titel „Wenn Hitler den Krieg gewonnen hätte. Die Pläne der Nazis nach dem Endsieg“ hat Ralph Giordano diese Vorstellungen zusammengetragen.

Laut Giordano hat Hitler einen Dreistufenplan gehabt, durch den er sein „Drittes Reich“ zur Weltherrschaft kämpfen wollte. Die erste Stufe dieser Treppe hieß europäische Vormacht durch ein Bündnis mit England und den Sieg über Frankreich und Russland (und den Rest Europas). Stufe 2 war die Errichtung eines „mittelafrikanischen Ergänzungsraums“, was die Herrschaft über ganz Afrika werden sollte. Die 3. und letzte Stufe sollte der „Endkampf“ Deutschlands gegen die USA sein. Nachdem Deutschland diesen Krieg für sich entschieden und nebenbei England und Japan unterdrückt oder ebenfalls besiegt hätte, hätte das „Großgermanische Weltreich“ die ganze Erde beherrschen sollen. Nach diesem „Erst Europa, dann die Welt“-Prinzip soll Adolf Hitler sich seine Vision von der Herrschaft des „Ariers“ jedenfalls ausgemalt haben.

Wer das Buch „Vaterland“ von Robert Harris gelesen, oder die Verfilmung gesehen hat, ist bestens über die architektonischen Pläne zumindest für Berlin informiert. Die Innenstadt des in „Germania“ unbenannten Berlin sollte zu einem Großteil zerstört werden, um Platz für einige gigantische Monumentalbauten zu machen. Neben einem riesigen „Führerpalast“ und vor einem knapp 120 Meter hohen Triumphbogen sollte unter anderem die „große Volkshalle“ errichtet werden, die mit einer Höhe von 290 Metern, einem Durchmesser von 250 Metern und einer Fläche von 38000 Quadratmetern die größte Versammlungshalle der Erde werden sollte, mit Platz für etwa 250000 Menschen (siehe auch hier). Albert Speer hatte bereits ein Modell entwickelt und erste Baumaßnahmen in die Wege geleitet. Auch im restlichen Deutschen Reich sollten ähnliche Megabauten errichtet werden, um, so Hitler selbst, „dem deutschen Volk das zerbrochene, an sich früher schon nicht so große Selbstbewußtsein zu geben“.

Hier eine 3D Konstruktion Germanias:

Nicht nur mit Speer teilte „der Führer“ bestimmte Aspekte von Zukunftsplänen; auch mit Himmler. Der Reichsführer-SS und Okkultist hatte den Traum, die SS zu einen neuzeitlichen Ritterorden zu erweitern und eine germanische, neuheidnische Religion an Stelle des Christentums treten zu lassen. Als Kirchenstaat dieses neuen Glaubens, der das Überleben des Stärkeren ganz im sozialdarwinistischen Sinne befürwortete, sollte der „Staat im Staat“ Burgund werden. Das neue geistige Zentrum des „Großgermanischen Weltreichs“ sollte die Wewelsburg bei Paderborn werden und auch mit diesem Ausbau zur Mega-Burg wurde bereits begonnen (siehe auch hier).

Dass hinter dieser Ideologie- und Prestige-Fassade aus Plänen, die allesamt wie Luftbläschen zerplatzt sind, noch eine Idee steckt, die bewusst im Zwielicht, zwischen der Hakenkreuz-Sonne und den braunen Schatten, den die Fassade warf, gehalten wurde, ist jedem bekannt. Der Holocaust, also der Massenmord an 6 Millionen Menschen ist geschehen und niemand kann dieses dunkelste Kapitel der Geschichte rückgängig machen. Doch wie weit hätte der Rassenwahn(sinn) noch gereicht, wenn die Nazis ihr Werk hätten fortsetzen können?

Laut Giordano sollte in Afrika in völliger Apartheid der „Arier“ über die Einheimischen herrschen, die völlig versklavt werden sollten. Unter anderem drohte den Afrikanern die Übertragung der Nürnberger Gesetze. In Europa sollte der grausame Massenmord fortgesetzt werden. Viele Millionen Juden, politische Gegner und Minderheiten standen noch auf der Todesliste. So auch die „slawischen Völker“ des Ostens. Osteuropa und große Teile Russlands sollten „germanisiert“ werden. Dazu sollten, so weit die deutsche Front reichte, alle als „minderwertig“ geltenden Menschen entweder ins KZ kommen, oder als Sklaven eingesetzt werden. Die geplanten Mega-Bauten und der Wiederaufbau nach dem „Endsieg“ sollten schließlich durch Sklavenarbeit erwirkt werden. Kinder, die „arisch“ waren, aber im Osten lebten, sollten ihren Eltern entrissen und „eingedeutscht“ werden. Der Plan hatte den Zweck, die riesigen eroberten Gebiete möglichst schnell mit deutscher Bevölkerung zu besiedeln. Die östlichen Sklavenvölker sollten außerdem umerzogen werden. Sie sollten in absoluter Armut leben und in den Schulen zu ungebildeten Untertanen erzogen werden, die ihren deutschen „Herren“ zu dienen haben.

Die Pläne der Nazis für die Neuordnung nach dem „Endsieg“ waren noch wesentlich umfassender, detailreicher und breiter gefasst. Dies aber sind die wohl wichtigsten Aspekte. Die Welt wäre wohl ein einziger Horror, wenn die Geschichte einen anderen Lauf genommen hätte. Die Träume einiger weniger wären zum Alptraum aller anderen Menschen geworden. Das Traurigste an all dem ist aber wohl, dass von all den Plänen ausgerechnet derjenige, der den Mord an Millionen von Unschuldigen umfasste, zum größten Teil tatsächlich schon in die Wege geleitet worden war.

MC


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