Thrillerpfeife

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„In the future, everyone will be world-famous for 15 minutes.“

Andy Warhol hat 1968 dieses Statement gemacht und selbst miterleben dürfen, dass er Recht behalten würde. Wenn man Warhols Aussage ein wenig auseinandernimmt, sind es 3 Komponenten, die in Zeiten schneller Internetverbindungen, Web 2.0 Theorien und Milliarden von Menschen, die sich ausdrücken möchten, nach wie vor noch Bestand haben:

1. JEDER kann bekannt werden. In Zeiten von Blogs und sozialen Netzwerken und Dank der einfachen Verfügbarkeit von technischen Ressourcen ist jeder von uns in der Lage zu „veröffentlichen“. Ein derartiges öffentlich machen, der Öffentlichkeit preisgeben, war bis selbst vor einem Jahrzehnt in dem Maße nur den klassischen Medien möglich. Man darf hier natürlich nicht vergessen, dass in der Regel ein klassischer Blogger, ein Musiker auf MySpace oder ein Regisseur auf Vimeo nicht unbedingt das Ausmaß an Menschen erreichen muss, wie auf den altbewährten Wegen der Medienlandschaft, allerdings wird jeder von uns mindestens ein Beispiel von Jemandem oder einer Gruppe von Menschen kennen, das zeigt, dass mit dem entsprechendem Arbeitsaufwand und guten Strategien man durchaus mit eben jenen Medienriesen nur gemessen an der Zahl der Rezipienten in der heutigen Zeit durchaus konkurrieren kann, ergo JEDER kann (wenn er denn möchte) bekannt werden.

2. Jeder kann WELTBEKANNT werden. Das Internet macht es möglich. Zu jeder Tages- und Nachtzeit, immer zugänglich, eine geringe Abhängigkeit von prüfenden und wertenden Medieninstanzen oder Institutionen, wenn die Inhalte nicht gegen menschliche Normen, Werte und Gesetze verstoßen und bei richtiger Ausnutzung der Möglichkeit, das perfekte Werkzeug um seine medialen Inhalte mit wenigen Mausklicks um die Welt zu schicken. Nie ging es schneller.

3. Die Bekanntheit hält 15 MINUTEN an. Die Berühmtheit ist also kurzlebig, kaum der Redewert und alle zusammengenommen ein einziges Kommen und Gehen. Hier kommen verschiedene Dinge zusammen, wie die Vielzahl an Dingen, die man sehr und hören kann, die geringe Aufmerksamkeitsspanne, die man unseren Generationen nachsagt, die Geschwindigkeit des heutigen Lebens seit der Industrialisierung etc . In Bezug auf die menschliche Wahrnehmung in der heutigen Zeit gibt es wenige Schriften, die wie Georg Simmels Aufsatz „Die Grosstädte und das Geistesleben“ einen Ansatz dafür liefern, warum wir nicht verweilen, innehalten können und unser Seh- und Hörverhalten unserer Umwelt und unseren Erfahrungen anpassen. Natürlich wissen wir, dass das mit den 15 Minuten nicht für jeden gilt, aber allein Begrifflichkeiten wie OneHitWonder oder Annahmen, wie dass die meißten Kinofortsetzungen sich in keinster Weise mit dem Erstlingswerk messen können und damit auch nicht mehr wert sind gesehen zu werden zeigen, dass die Kurzlebigkeit eines Bekanntheitsstatus auf eine gewisse Weise auch schon begrifflich und konzeptionell antizipiert wird.

Das nun endgültig übertragen und gemünzt auf die Möglichkeiten des Internets, hat die intensive Nutzung und Entwicklung dieses Mediums und seiner technischen Peripherie innerhalb der letzten Jahre einen nicht unerheblichen Kulturellen Einfluss genommen. Durch die exorbitanten Möglichkeiten des „Veröffentlichens“ und der Eigendarstellung im Internet, reiht sich auf der einen Seite eine Riege an Internetberühmtheiten an, die in den westlich geprägten Zivilisationen nahezu jeder kennt, der mit dem Medium Internet aufwächst. Zum Anderen entwickeln sich in der Nutzung und durch die technischen Vorraussetzungen auch neue Sehgewohnheiten sowie Bildformate und -konventionen. Interessant wird es dann, wenn eben diese Phänomene aufgegriffen werden und selbst in Konzepten thematisiert und damit als kulturelle Referenz dienen . Ich möchte hier auf 4 Musikvideos verweisen, die eben das auf verschiedenste Weise tun.


The Broad Band – Internet Killed The Videostar

Eine Hommage an Buggles‘ „Video Killed The Radio Star“, das erste Musikvideo, das auf MTV gezeigt worden ist.


The Kings of Youtube – Tubedeedo (Youtube Rap Video)

Ein amüsanter Song von YouTube Nutzern, der anscheinend auch schon bei iTunes erhältlich ist.


Weezer „Pork & Beans“

Das Video zur ersten Single von Weezers 2008 veröffentlichtem „Weezer“ Album, welches zahlreiche Internetberühmheiten und -phänomene zeigt. (Hier den Link der Überschrift nutzen.)


Armand Van Helden „Shake That Ass“

Ein Video was wirklich geschickt, das Phänomen tanzender, meist leicht bekleideter Mädchen vor Webcams aufgreift.

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