Thrillerpfeife

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Bochum hat viele, viele Niederlagen einstecken müssen. Erst machen die Zechen zu, dann mußten die Bochumer den Namen ihrer Stadt mit den Wattenscheidern teilen. Plötzlich wollte selbst Herbert hier nicht mehr wohnen, und dann werden finnische Telefone günstiger in Rumänien zusammengelötet.

Aber der dickste Hund kommt erst noch. Und der hat kein Fässchen mit Hochprozentigem um den Hals, obwohl manch einer nen ordentlichen Schluck aus der Pulle inzwischen gut vertragen könnte. Nach all dem Hüh und Hot ist jetzt der Verbleib im globalen Mutterkonzern GM wohl doch abgemacht. Keine Lösung mit Magna, keine mit der Russendiskobank und schon garnicht mit den Chinesen.

Da kann uns Jürgen sich noch so mit der Belegschaft solidarisieren, es ändert nix.  Vielleicht kommen wenigstens die Schüler in Bochum auf ihre Kosten, wenn sie zu einer wie immer folgenlosen Demo zwangsverpflichtet werden. Wenigstens sehen sie dann mal die üblichen Verdächtigen mit ihrem nicht vorhandenen Handlungsspielraum aus nächster Nähe: Jürgen und Ottili bestimmt, vielleicht die Kraft, und Oskar war ja letztens auch da. Sie werden sich kämpferisch geben, viele Fahnen werden wehen, vielleicht Kerzen oder ein Sternmarsch: „Das lassen wir uns nicht bieten. Nicht mit uns.“

Aber die hart arbeitenden Jungs haben mehr verdient als sowas, und hier bekommen sie es auch:

Um den Opelanern Mut zu machen und sie für den  Kampf und für die Zeit danach zu unterstützen, wurde diese Webseite mit nützlichen Tipps für die kommenden harten Tage erstellt.


Also warum immer alles so schwarz sehen? Es geht doch schon wieder aufwärts: Der VfL muss nicht mehr mit dem Textildiskont-Logo seiner nächsten Heimniederlage und dem Wunsch nach direktem Wiederaufstieg  hinterher rennen. Is ja schon fast was auch nichts.


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Stadt Ruhr: Gründung der größten Stadt Deutschlands

Das Ruhrgebiet ist einmalig in ganz Deutschland, ja sogar in ganz Europa. Nirgends sonst liegen so viele Großstädte so nahe beisammen, wie hier. Entstanden ist der Ballungsraum am Anfang des 19. Jahrhunderts auf eher mäßig besiedeltem Gebiet, weil die dort reichen Kohle- und Erzbestände im Zuge der Industrialisierung von mehr und mehr Arbeiterhänden gefördert werden mussten. Bis zur Mitte des 20. Jahrhunderts wuchs der „Ruhrkohlenbezirk“ zum größten industriellen Ballungszentrum Europas heran. Seit der Kohlekrise 1958 vollzog sich jedoch ein Strukturwandel im „Pott“, der der Metropole nach Schließung fast sämtlicher Zechen und der einhergehenden Arbeitslosigkeit neue wirtschaftliche Zweige eröffnete. Ein Prozess, noch immer nicht abgeschlossen ist.

In all der Zeit haben die Bewohner vom „Ruhrpott“ eine eigene Mentalität und ein ganz besonderes Zusammengehörigkeitsgefühl entwickelt. Niemand ist einfach nur Bürger der Stadt Dortmund oder Bochum, viele sehen sich zugleich auch als Ruhrgebietler.

Stadt Ruhr Logo

Stadt Ruhr Logo

Dass sich aus dieser Verschmelzung verschiedener Städte nicht nur kulturell, sondern auch ganz offiziell in politischer Hinsicht eine Weiterentwicklung leiten lässt, das dachten sich auch die circa 500 Menschen, die am 5. November in der Gelsenkirchener MiR symbolisch eine neue Stadt gegründet haben: Die Stadt Ruhr. In diesem Akt wird erklärt, dass das Ruhrgebiet nicht länger nur eine Ansammlung mehrerer Großstädte sein soll, die nebeneinander liegen, sondern dass diese sich zu einer einzigen Mega-Stadt zusammenziehen lassen (siehe WDR Radiosendung).

„Die Stadt der Städte“, so hieß es seitens der bürgerschaflichen Initiative „StadtRuhr“, wolle „nicht länger auf Initiativen von oben“ warten, da sich die über 5 Millionen Menschen, die im Ruhrgebiet leben, „nicht länger übersehen lassen“. Ziel ist also die Gründung der größten Stadt Deutschlands und einer der größten Städte der Welt, mit derzeit 5,3 Millionen Einwohnern. Hervorgehen soll sie aus den Städten Bochum, Bottrop, Dortmund, Duisburg, Essen, Gelsenkirchen, Hagen, Hamm, Herne, Mülheim an der Ruhr und Oberhausen sowie aus den Kreisen Recklinghausen, Unna, Wesel und dem Ennepe-Ruhr-Kreis.

Ruhrgebiet

Ruhrgebiet

Was sich nach einer leichten Traumwolke anhört, hat in Wahrheit schweres politisches Gewicht. Unter den Erstunterzeichnern der Stadtgründung waren neben RUB-Rektor Elmar Weiler, Mediziner Dietrich Grönemeyer und RVR-Direktor Heinz-Dieter Klink unter anderem auch Gelsenkirchens Oberbürgermeister Frank Baranowski und Bundestagspräsident Norbert Lammert, welcher sich schon seit Jahren für die Umsetzung eines solchen Projektes einsetzt.

Was aber sind die Hauptargumente, die für die Gründung von Deutschlands größter Stadt sprechen? Zum einen soll das bestehende Gemeinschaftsgefühl der Ruhr-Bürger noch tiefer gehen; zum anderen soll die Stadt Ruhr eine der ersten Adressen Europas werden. Obwohl die Stadt im Gegensatz zu anderen Millionenstädten polyzentrisch bleiben soll, würde die Region erst als Stadt nach außen hin, vor allem im Ausland, als potenzreicher Wirtschaftsstandort wahrgenommen werden. Das wiederum würde neue Arbeitsplätze im Strukturwandel schaffen. Als schon gewählte Kulturhauptstadt Europas 2010 wird die Chance gesehen, diesem Titel als „größte Gartenstadt der Welt“ dauerhaft gerecht zu werden. Stadt Ruhr als Touristenmagnet und Kulturzentrum also. Dazu müsse die Region sich aber selbst verwalten können, heißt es.

Gegenstimmen sagen allerdings, dass das genannte Gemeinschaftsgefühl gar nicht so weit ginge und dass das Ruhrgebiet sich nur selbst schaden würde, wenn es sich von seinem Umland abkapseln würde, da viele kulturelle Einrichtungen von den Landschaftsverbänden finanziert würden. Besonders heiß scheint die Diskussion um die Frage „Wie soll das alles denn finanziert werden?“ zu sein. Das Geld, das für die Umstrukturierung nötig sei, könne man auch in „sinnvollere“ Aufgaben investieren.

Ob die Gründung der Stadt Ruhr, der größten Stadt Deutschlands, sinnvoll ist, oder nicht, mag der Leser selbst entscheiden. Wer sich aber schon jetzt als Ruhr-Bürger fühlt, der kann das hier erklären.

MC

Vor kurzem wurde eine neue Landmarke für das Ruhrgebiet eingeweiht. Es handelt sich um ein Horizontobservatorium, dass auf der 150 Meter hohen Halde Hoheward in Herten aufgestellt wurde.  Die beiden Stahlbögen haben einen Radius von 45 Metern, und sind bis Recklinghausen, Bottrop und wahrscheinlich noch viel weiter sichtbar. Die Konstruktion ist so ausgerichtet, dass an bestimmten, kalendarisch wichtigen Tagen, die Sonne genau durch kleine Öffnungen in den Bögen scheint. Dies geschieht an den Tagen der Sommer- und Wintersonnenwende und öfter.

Diese Technik ist natürlich nicht neu. Sie wurde bereits vor mehreren tausend Jahren benutzt, um der staunenden Bevölkerung die Göttlichkeit ihrer Herrscher vorzuführen und so den Gehorsam zu festigen. So geschah es am Steinkreis im heutigen Stonehenge in England und am ägyptischen Tempel von Abu Simbel.

Aber kann dieses an antiker Wissenschaft angelehnte Stahl-Objekt die modernen Menschen begeistern? Es sieht zumindest sehr windschnittig aus. Die Besucher der großen Eröffnungsfeier waren geteilter Meinung. Gesprächsthemen waren vielmehr die Kosten der ganzen Anlage oder der deutsche Bergbau insgesamt.  Da die Halden selbst ja als Abfallprodukt des Bergbaus gelten müssen, die nicht nur die oberirdische Landschaft des Ruhrgebiets prägen, soll wohl nun das Observatoriums-Monstrum die Blicke auf sich ziehen und den Wandel von der Industrie- zur Wissensgesellschaft symbolisieren. Ähnliche Blickfang-Funktionen leisten der Tetraeder , die Installation „Totems“ in Bottrop und eine minimalistische Skulptur in Essen.

Der Eindruck der Halden für Besucher hat sich bereits geändert. Nach der `Krönung´ einer Halde mit einer solchen Großplastik wird aus einem Riesen-Schotterhaufen ein Ausflugsziel, vom staubigen Arbeitsplatz zum Touristenmagnet.

Zwar wird in Herten noch bis 2012 weiterhin Abraum aufgeschüttet, doch eine Kompanie an Tagesausflügern steht in den Startlöchern. 2009 soll ein Gastronomiebetrieb auf der Halde öffnen, die Angebote für Busausflüge werden nicht lange auf sich warten lassen. Die Kumpels und Zeugen der mittlerweile romantisierten Zeit, in der Kohleabbau noch die Top-Industrie war,  sterben langsam aus und so auch das Identifikationspotential mit einer Abraumhalde. Nach harter Maloche sehen die begrünten Halden nicht mehr aus und mit den neuen Landmarken passen sie besser ins gewünschte Bild des Strukturwandels an der Ruhr.  Hin zur Kulturgesellschaft.

Das hochaufragende Bauten sehr wohl hohes Identifikationspotential haben, mußte ich am eigenen Leib erfahren. Aufgewachsen genau neben der Nachbar-Halde der Hoheward, in Recklinghausen Hochlarmark, störte dieser Abraumberg unseren Fernseh-Empfang beträchtlich, was sich wiederum für mich nicht sonderlich auswirkte, da ich in diesen Jahren eh immer ins Bett mußte, als die spannenden Sendungen auf einem der drei Programme begannen. Es geschah also 1984, als genau vor meinem Kinderzimmerfenster ein 300 Meter hoher Schornstein zu wachsen began. Fast täglich kamen einige Meter hinzu, gebaut von einem auf der Spitzte des Turms befestigten gelben Kran. Nachträglich betrachtet sehe ich diese Erfahrung als Ausgangspunkt meiner eigenen Technik-Affinität. Anscheinend kann solches Beobachten einen Menschen emotional mit einem Bauwerk verbinden.

Bestimmt haben den Bau des Observatoriums auch viele Neugierige aus ihren Zimmer verfolgen können. Wenn dadurch für sie ähnliche Heimat-Gefühle ausgelöst werden, sehen sie vielleicht in den neuen Metallbögen einen Thriller.

Eine renaturisierte Halde bietet nette Möglichkeiten zur Freizeitgestaltung, und eine laue Sommernacht auf Hoheward, über dem Ruhgebiet, mit Sterneschauen zu verbringen, darf man sich gerne als angenehm vorstellen. Die Aussicht von dort oben ist sehenswert.

Doch bleibt die Frage, ob die verbauten, nicht geringen Geldmittel wirklich so gut angelegt sind. Es handelt sich laut Presseangaben um über 22 Millionen Euro.

Als Wirkung, als Gewinn, könnte das weithin sichtbare, futuristische Gebilde den Ruhrpottlern und -pottlerinnen zwar einen Eindruck von Aufschwung vermitteln, aber mehr als ein angenehmes Gefühl wird wohl nicht bleiben. Andere Projekte hätten für das Revier einen größeren Effekt gehabt.


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