Thrillerpfeife

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Kriegspropaganda von Disney

Disney- wir alle kennen die Zeichentrickfilme und -serien unserer Kindheiten. Wer musste nie über die Streiche Donald Ducks schmunzeln, oder über Goofys Tollpatschigkeit lachen? Wer hatte kein Mitleid mit Bambi, als seine Mutter starb, wer hat nicht bei den Liedern des Dchungelbuches mitgesungen und wer fieberte nicht mit dem jungen Simba in „Der König der Löwen“ mit? Beinahe jeder hat in seinem Leben mindestens eine schöne Erfahrung gesammelt, die er einem Disney-Film verdankt und die er mit Millionen anderer teilen kann. Disney, das steht für die idealisierte Zauber-Traumwelt, nach der sich viele sehnen, weil sie Kindheitsträume wieder erweckt- und als solches ist der Produktname in unserem kollektiven Gedächtnis fest verankert.

Doch ist dieses Bild richtig? Ist Disney immer diese zauberhafte Traumwelt gewesen, in der junge wie alte Gemüter stets einen Ausweg aus der grauen Alltagswelt zu finden vermochten?

Nein! Im Gegenteil! Was das breite Publikum von heute nicht weiß: Während des 2. Weltkrieges hat die Walt Disney Company sehr realitätsbezogene Anti-Nazi-Propagandafilme in Auftrag gegeben.

1943: Donald Duck mal so ganz anders; nämlich als nationalsozialistischer, „heil!“-rufender Uniformträger in einer deutschen Munitionsfabrik, der unter tausenden von Hakenkreuzen treue Dienste für seine Triniät (Hitler, Hirohito und Mussolini) leistet, bis er mangels Privatleben und vor lauter Leistungsdruck dem Wahnsinn verfällt. Zu seinem Glück wacht er dann aber doch nur aus einem Albtraum aus und findet sich in seinem mit Stars and Stripes geschmückten Schlafzimmer neben einer kleinen Freiheitsstatue wieder. So zumindest in dem Kurzfilm The Fuehrer´s Face, der 1943 sogar einen Oscar für den besten animierten Kurzfilm bekommen hat. Auf deutsch ist dieser Film bis heute nicht erschienen, weshalb „Donald Duck in Nutziland“ (so der ursprüngliche Titel) in dem selben Land quasi nach der Ent“nut“zifizierung unglaublicher erscheint, als die Feen und Prinzessinnen, die wir von Disney gewöhnt sind, obwohl das „Nutziland“ paradoxerweise auf Realitäten und nicht etwa auf Märchen beruht. Der Leser möchte sich ein eigenes Bild davon machen? Warum nicht gleich ein eigenes Video? Hier „The Fuehrer´s Face“ von 1942:

Ein weiterer Kurzfilm Disneys aus dem 2. Weltkrieg ist „Education for Death“ von 1943. Hier wird die staatlich-ideologisch gelenkte Erziehung der deutschen Jugend anhand von einzelnen Lebensausschnitten des jungen Hans dokumentiert, welche aus unschuldigen Kindern gefühllose Kriegswerkzeuge der Militärdiktatur macht:

The Spirit of 43.

Wer nach Konsum solcher ernüchternden Filmchen noch immer an seiner Vorstellung von der Heile-Zauberwelt-Vorstellung in Bezug auf Disney-Produktionen festhalten möchte, dem sei das selbstverständlich freigestellt. Wer die Lust auf Mehr bekommen hat, dem seien auch Kriegspropagafilmchen wie „The Ducktators“, „Popeye The Sailor Man – Spinach For Britain“, oder „Bugs BunnyNips the Nips“ empfohlen. Diese hat übrigens nicht Disney produziert, was viel über die damalige Allgemeinstimmung in der amerikanischen Gesellschaft aussagt.

Es bleibt nur eine Frage offen und sie lautet: Thrill oder Pfeife?

MC


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