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Marc Bloch

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Der folgende Artikel stellt eine kleine Würdigung eines großen Mannes dar. Denn wir alle kennen die Geschichten vieler starker Persönlichkeiten, die in schweren Zeiten gelebt und gekämpft haben, doch die Taten und Werke vieler sind nie ans Licht der Öffentlichkeit gedrungen, oder sind im Schatten der Geschichte untergegangen. Geschichte, das war das Metier von Marc Bloch, dem Historiker und Widerstandskämpfer, der heute zu unrecht nur den Wenigsten bekannt ist.

Am 6. Juli 1886 wurde er in Lyon als Sohn des jüdischen Gustave Bloch und seiner Frau Sara Ebstein geboren. Seine Gymnasialzeit am Lycée Lois-le-Grand in Paris von 1896 bis 1903 schloss er mit einem Abitur mit Auszeichnung ab. 1904 wurde er in der Ecole Normale Supérieure aufgenommen, wo er Geschichte und Erdkunde studierte. Das Studium unterbrach er von 1905 bis 1906, da er in dieser Zeit seinen Wehrdienst absolvierte. 1906 setzte er sein Studium fort und schloss es 1908 mit einem Staatsexamen für den höheren Schuldienst ab. Bis 1909 studierte er dank eines Stipendiums ein Semester in Berlin und eines in Leipzig. Bis 1912 arbeitete er an seiner Habilitation und bis 1914 als Geschichts- und Erdkundelehrer zunächst am Gymnasium von Montpellier, danach in Amiens.

1914 brach der 1. Weltkrieg aus und am 2. August des Jahres wurde Bloch als Sergant der Infanterie eingezogen. 1918, nach 4 Jahren des Kampfes, war er Hauptmann und wurde mit der „croix de guerre“ und der Ehrenlegion ausgezeichnet. Nachdem er 1919 aus der Armee entlassen wurde und einen Lehrauftrag für mittelalterliche Geschichte an der Universität Straßburg erhielt, veröffentlichte er ein Jahr später seine Habilitationsschrift „Könige und Leibeigene“. 1924 folgte die Publikation „Die wundertätigen Könige“ und 1929 gründete er mit seinem Freund Lucien Febvre eine Fachzeitschrift, die die gesamte historische Forschung stark prägen sollte; die Annales, das Jahrbuch für Wirtschafts- und Sozialgeschichte. 1931 erschien sein Buch „Besondere Merkmale der französischen Agrargeschichte“. In den Jahren bis zum Ausbruch des 2. Weltkrieges war Marc Bloch Dozent für Wirtschaftsgeschichte.

1939: Nazi-Deutschland rollte über Frankreich hinweg und Marc Bloch meldete sich am 23. August trotz seines fortgeschrittenen Alters zum Dienst an der Front. Von Straßburg über Molsheim bis nach Nordfrankreich wurde er versetzt und veröffentlichte ganz nebenbei bis 1940 die zwei Bände „Die Feudalgesellschaft“. Bis zum Juni 1940 nahm Bloch an den Kämpfen in Nordfrankreich bis zur Niederlage des französischen Militärs teil. Nach dem Rückzug nach England kehrte er nach Nordfrankreich zurück und entzog sich der Gefangennahme dadurch, dass er Zivilkleidung trug. Nach dem Waffenstillstand gelang es ihm, sich zu seiner Familie in Guéret durchzuschlagen. Hier schrieb er ein Manuskript über die Niederlage.

Im Dezember 1940 fiel Bloch unter den „Judenstatus“ und wurde vom öffentlichen Dienst ausgeschlossen. Zusammen mit circa 20 anderen Wissenschaftlern wurde er 1941 wegen „außergewöhnlicher wissenschaftlicher Verdienste“ von diesem Rechtsverlust wieder befreit. Bis 1942 ließ Bloch sich an die Universität Montpellier versetzen, da die Gesundheit seiner Frau ein besseres Klima erforderte. Hier beteiligte er sich unter anderem an der Gründung der Widerstandsbewegung „Combat“. Das Angebot der New School for Social Research in New York lehnte er ab, weil er nicht seine ganze Familie hätte mitnehmen dürfen. Nachdem die Vichy-Zone auch von der Wehrmacht besetzt wurde, musste Bloch mit seiner Familie nach Fougères fliehen. Bis 1943 schrieb Bloch an seiner „Apologie der Geschichte“ und tauchte dann in Lyon unter, wo er er der Widerstandsgruppe „Franc-Tireur“ beitrat, in der er bald eine leitende Funktion einnahm. So arbeitete er unter anderem an Planungen der Résistance zum Aufstand.

Am 8. März des Jahres 1944 wurde Marc Bloch unter dem Decknamen „Maurice Blanchard“ von der Gestapo verhaftet und im Gefängnis von Montluc gefoltert, bis er am Abend des 16. Juni- also 10 Tage nach dem D-Day– zusammen mit 29 anderen Widerstandskämpfern erschossen wurde.

Marc Bloch gilt als Mitbegründer der Annales-Schule und als ein Erneuerer der Geschichtswissenschaften. Als solcher ist er allerdings auch beinahe ausschließlich Sozial- und Geschichtswissenschaftlern bekannt. Der Autor hofft, dazu beizutragen, seinen Namen einem breiteren Publikum geläufig zu machen. Denn obwohl Marc Bloch selbst ein Gegner einer Geschichtsschreibung von Einzelpersonen und ihrer Taten war, so hätte auch er nicht geleugnet, dass es sinnvoll ist, ihre Andenken zu bewahren.

Quelle: Peter Schöttler (Hg.): Marc Bloch. Historiker und Widerstandskämpfer

MC (der sagt: Keine Pfeife, sondern ein absoluter Thriller!!)

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