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Web.de und Abzoc.ke

Web.de, das Internetportal, das unter anderem auch kostenlose E-Mail-Accounts anbietet, überrascht seine Kunden mehrfach im Jahr mit Jubiläums- oder Geburtstagsgeschenken. „Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag“ heißt es dann, wenn man sich einloggt, um seine Mails zu lesen. Man freut sich, denkt sich, wie aufmerksam das doch von web.de ist und mit einem Lächeln auf den Lippen wird man, bevor man in sein eigentliches Menü gelangt, mit einem Geburtstagsgeschenk überrascht. „3 Monate Premium E-Mail, im WEB.DE Club! Jetzt GRATIS!“ liest man dann zum Beispiel. Der naive Accountnutzer freut sich und klickt auf „Geschenk auspacken“. Drei Monate, in denen man noch mehr Speicherplatz und einige andere Funktionen benutzen darf, für die man sonst ja Geld bezahlen muss. Ein spitzen Testangebot und schönes Geschenk!

Ein schönes Geschenk, bis man drei Monate später (oder in anderen Worten ein viertel Jahr später), nachdem dieses in Vergessenheit geraten ist, folgende freundliche Nachricht bekommt:


Sehr geehrte(r) X,

heute dürfen wir Sie recht herzlich für weitere 12 Monate im WEB.DE Club begrüßen.
Auch im kommenden Jahr profitieren Sie vom leistungsstarken Premium-Angebot des
WEB.DE Clubs. Bitte beachten Sie die Hinweise zu Ihrer Club-Mitgliedschaft am Ende
dieser E-Mail.
Und nun wünschen wir Ihnen viel Spaß und gute Kommunikation mit dem WEB.DE Club.

Wir freuen uns, dass Sie dabei sind!
Ihr WEB.DE Club-Team


Man fragt sich „was?“, bis dann die Rechnung nachfolgt, in der nach der ersten Monatsrate von 5 Euro verlangt wird.

Manch ein Leser wird sich jetzt denken, dass, wer so ein Angebot annimmt, selbst schuld sei, weil man solche Vertragsfallen ja kenne. Eine kurze Suchanfrage bei Google.de eröffnet einen kleinen Bildausschnitt von den Massen an Nutzern, die eine solche Eigenschuld auf ihren Schultern tragen. Wenn web.de die Form eines Kreuzes hätte, könnte man den Eindruck gewinnen, es sei Karneval in Köln und jeder Mensch hätte sich als Jesus Christus bei seiner Passion verkleidet. Das kommt vielleicht daher, dass web.de scheinbar seit Jahren Erfahrung mit dieser Abzocke gesammelt hat und genau weiß, wo die ohnehin schon unlesbar kleinen Hinweise darauf, dass der Vertrag sich nach 3 Monaten automatisch kostenpflichtig verlängert, hingesetzt werden müssen, damit selbst jene User, die den Trick schon von anderen, weniger bekannten Unternehmen kennen, auf die Masche rein fallen.

Befremdlich ist auch, dass diese Verträge zwar auf solch fragwürdige Weise per E-Mail abgeschlossen, aber nicht per Mail gekündigt werden können. Nachdem man sich über das Menü nochmals ins Kundencenter eingeloggt und durch mehrere Buttons gesucht hat, erfährt man endlich, dass die Kündigung dieses Mail-Vertrages eigenartigerweise nur über Postweg oder per handunterschriebenes Fax (0,14 Euro/Min.) möglich ist. Kündigt man den Vertrag dann, so kündigt man nur die Vertragsverlängerung, die erst nach einem Jahr erfolgt. Man ist also dazu verpflichtet, 12 Monate lang seine Raten zu zahlen, weil man erst von dem Vertragsabschluss erfahren hat, oder an ihn erinnert wurde, als die Kündigungsfrist bereits abgelaufen war.

Web.de steht daher von verschiedenen Seiten aus unter heftiger Kritik, weil sich diese Geschäftsmethode in einem dunkelgrauen Grenzbereich der Legalität befindet. Die Verbraucherzentrale Berlin rät allen Opfern dieser Gaunerei dazu, die Gültigkeit des Vertrages anzufechten.

Fazit: Finger weg von web.de! Wer schon einen Account hat, der sollte sich vielleicht einen anderen Freemail Anbieter suchen! Und dann heißt es: Logout, man!

MC (der web.de aus dem Stadion pfeift)


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